UMF unter 16

Unbegleitete minderjährige Flüchtling unter 16.Jahren

Asylsuchenden im Alter von unter 16 Jahren wird Jugendhilfe nach dem SGB VIII gewährt. Sie werden nach § 42 Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII vom Jugendamt in Obhut genommen weil die Tatsache, dass sie sich unbegleitet, ohne gesetzlichen Vertreter in Deutschland befinden als Kindeswohlgefährdung angesehen wird. Die Kinder und Jugendlichen werden in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Die Unterbringung erfolgt oft in Wohngruppen mit Vollzeitpflege oder in anderen niederschwelligeren betreuten Wohnformen. Dort wird i. d. R. von Sozialpädagogen und Erziehern Betreuung und Unterstützung geleistet. Manche der Einrichtungen sind ausschließlich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. So z.B. die Wohngemeinschaft für Flüchtlingskinder Nürnberg e.V. mit dem dazugehörigen Außenbetreuten Wohnen. Außerdem muss minderjährigen Flüchtlingen ein Vormund gestellt werden, welcher die gesetzliche Vertretung übernimmt und sie auch im Asylverfahren unterstützt.

Sind die Kinder und Jugendlichen in einer Einrichtung untergebracht beginnt sofort das so genannte „Clearingverfahren“. Innerhalb dieses Verfahrens sollen u. a. Informationen zur Staatsangehörigkeit und über die Fluchtgründe erlangt werden. Es soll in Erfahrung gebracht werden ob das Kind oder der Jugendliche Verwandte hat, welche sich in Deutschland oder einem anderen europäischen Land aufhalten. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch die Klärung der gesundheitlichen Situation (physisch wie psychisch) in welcher sich der Flüchtling befindet. Das Clearingverfahren hat zum Ziel mehr über den Betroffenen zu erfahren um den erzieherischen Bedarf zu ermitteln und Perspektiven für seine Zukunft zu entwickeln. Während des Verfahrens wird auch entschieden ob wirklich ein Asylantrag gestellt werden soll. Je nach Bundesland variiert die Ausgestaltung und Dauer des Clearingverfahrens. In der Regel ist es jedoch nach ca. 3 Monaten abgeschlossen. Während dieser Zeit wird der Flüchtling je nach vorhandenen Sprachkenntnissen und bisheriger Schulbildung außerdem in einen passenden Sprachkurs sowie eine adäquate Bildungseinrichtung vermittelt. Ist der erzieherische Bedarf festgestellt worden verbleibt das Kind oder der Jugendliche in der bisherigen Jugendhilfeeinrichtung (sofern diese nicht nur ausschließlich für das Clearingverfahren zuständig ist) oder es wird eine andere, für seine Situation und sein Alter geeignetere, Form des Wohnens für ihn gesucht.

Mögliche Wohnformen im Rahmen der Jugendhilfe sind u. a.. die Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII oder die Heimerziehung bzw. sonstige betreute Wohnform nach § 34 SGB VIII (wie z. B. die bereits erwähnte Wohngemeinschaft für Flüchtlingskinder Nürnberg e.V. und das dazugehörige Außenbetreute Wohnen).

Die Unterbringung in einer kinder- und jugendgerechten Einrichtung bedeutet für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sich nach einer oft langen und traumatischen Flucht zum ersten Mal in einem geschützten Raum zu befinden. Die pädagogische Betreuung hilft ihnen sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Die Pädagogen fördern wenn nötig alltagspraktische Fähigkeiten und informieren und befähigen die Jugendlichen zum Umgang mit dem für sie völlig unbekannten deutschen Versorgungs- und Behördensystem (z. B. Zugang zur Gesundheitsversorgung, Umgang mit Ausländerbehörden etc..). Denn sobald sie das 18. Lebensjahr erreichen müssen sie sich meist alleine in Deutschland zurechtfinden und ihre Rechte selbstständig einfordern können.

Tabea Doll

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s