UMF 16-18

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 18 Jahren
Eigentlich haben sie die gleichen Rechte wie die Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren. Auch ihnen wird ein Vormund bestellt.

Generell sollte allen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge welche das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben Jugendhilfe gewährt werden.

Die Pflicht zur Inobhutnahme seitens des Jugendamtes ist im § 42 Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII deutlich geregelt. Hierin lässt sich an keiner Stelle erkennen, dass mit Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren anders verfahren werden soll. Doch in der Praxis werden nicht alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in kinder- und jugendgerechten Einrichtungen untergebracht.

Laut dem Asylverfahrensgesetz (§ 12 AsylVfG) ist eine Person ab dem 16. Lebensjahr asylverfahrensrechtlich handlungsfähig. Dies bedeutet dass der Flüchtling den Asylantrag alleine stellen kann und hierzu keinen gesetzlichen Vertreter benötigt. Dies führt oft dazu, dass die Jugendlichen behandelt werden wie Erwachsene. In diesen Fällen werden sie nicht vom Jugendamt in Obhut genommen. Stattdessen werden die Betroffenen dann direkt in einer der Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) untergebracht in welchen sie unter den selben, bereits beschriebenen Bedingungen leben wie die Erwachsenen. An diesem Vorgehen lässt sich erkennen, dass den Bestimmungen aus dem Asyl- und Ausländerrecht Vorrang vor dem Kinder- und Jugendhilferecht gewährt werden.

In manchen Erstaufnahmestellen gibt es zumindest eine spezielle Abteilung für UMF, welche als Inobhutnahmestelle gilt, jedoch nicht so intensiv betreut wird wie die Inobhutnahmeeinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Dies ist z. B. der Fall in der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf. Dort werden die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an das Kreisjugendamt Fürth gemeldet. Die Jugendlichen erfahren dort Unterstützung von (Sozial-) Pädagogen und Psychologen. Mit den 16 – 18 Jährigen wird dort ebenfalls ein Clearingverfahren durchgeführt, auch sie erhalten einen Vormund. Außerdem sind sie in einem separaten Gebäude untergebracht. Doch bei Überfüllung müssen die UMF oft zusammen mit den Erwachsenen leben. Die Jugendlichen bekommen jeden Tag 45 Minuten Deutschunterricht. Doch die Betroffenen können keine Schule besuchen und erhalten ebenfalls nur die geringen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Auch örtlich gesehen erscheint die Unterbringung in einer pädagogisch betreuten Wohnform besser, da sich diese Voll- und Teilzeitbetreuten Einrichtungen meist zentral in den Städten befinden.
Hinsichtlich der abgeschiedenen Lage und der schlechten Zustände der meisten Erstaufnahmeinrichtungen für Flüchtlinge erscheint die Unterbringung dort nicht jugendgerecht, denn die minderjährigen Flüchtlinge leben dann unter den selben fragwürdigen Bedingungen wie die Erwachsenen. Es muss erwähnt werden, dass die Jugendlichen zwar nur für einen Zeitraum von 3 Monaten dort leben sollen und dann in eine andere geeignete Einrichtung umziehen. Doch es kommt vor, dass junge Flüchtlinge bis zu 5 Monaten oder länger in der EAE Zirndorf verweilen müssen ohne eine Schule besuchen zu können.

In Zirndorf wird am Ende des Clearingverfahrens, wenn der erzieherische Bedarf festgestellt wurde, in Kooperation zwischen dem Jugendamt, dem Vormund und der Pädagogen bzw. Psychologen der UMF-Abteilung entschieden, in welche Einrichtung der betroffene Jugendliche umziehen soll. Dies erfolgt nach dem so genannten bayerischen 4-Stufen-Modell.

Tabea Dol

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