In Deutschland

Flüchtlinge können nach ihrer Ankunft in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Schutz bekommen. Es gibt verschiedene Arten des Schutzes. Menschen die geflüchtet sind, weil sie politisch verfolgt werden, dürfen zum Beispiel nicht an der Grenze zurückgewiesen werden und auch nicht in die für die Verfolgung verantwortlichen Staat abgeschoben werden; sie haben das Recht Asyl zu erhalten (vgl. Art 16a GG).

„Der Begriff Asyl stammt aus dem Griechischen; „Asylon“ bedeutet Zufluchtstätte, „asylos“ das, was nicht ergriffen werden kann. In früheren Zeiten waren Asyle meist geheiligte Orte, die den Flüchtenden vor dem Zugriff der weltlichen Macht schützten.“1

Außer diesem Recht gibt es noch weitere Schutzmöglichkeiten für Flüchtlinge, welche greifen könnten, wenn die Voraussetzungen zur Anerkennung als Asylberechtigter nicht erfüllt werden. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die Anerkennung als Flüchtling nach der Genfer Flüchtlingskonvention2 oder um die Gewährung von so genanntem „subsidiären Schutz“. Diese verschiedenen Schutzmöglichkeiten werden im Rahmen eines Asylverfahrens durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge3 überprüft. Im Folgenden soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie es zu dieser Überprüfung bzw. der Entscheidung kommt und was konkret mit den Flüchtlingen passiert, wenn sie in der Bundesrepublik Deutschland angekommen sind.

Nach der Ankunft in der Bundesrepublik
Meldet sich eine asylsuchende Person bei einer Behörde oder wird von dieser aufgegriffen und gibt ihr Asylgesuch zuerkennen, so ist zu aller erst entscheidend, ob die betreffende Peron das 18. Lebensjahr schon erreicht hat oder nicht. Denn mit minderjährigen Flüchtlingen, welche sich alleine in Deutschland befinden (Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – UMF), wird anderes verfahren als mit Erwachsenen.
Falls die Altersangaben für unwahr gehalten werden, kann zur Alterseinschätzung eine Inaugenscheinnahme des Flüchtlings vorgenommen werden. Dies wird oft von Mitarbeitern der Ausländerbehörde durchgeführt. In manchen Bundesländern finden auch radiologische Handwurzeluntersuchungen4 statt.5 Beide Methoden sind bei Wissenschaftlern umstritten und scheinen zu ungenau, um tatsächlich zu einer aussagekräftigen Altersfeststellung zu dienen. Das Gutachten „Aus der Hand gelesen“ kommt unter anderem zu dem Schluss, dass „Eine Handwurzeluntersuchung (..) jedenfalls bei außereuropäischen Jugendlichen völlig ungeeignet zur Bestimmung des Lebensalters“6 ist.

Bei jeglicher Art von alterseinschätzenden Maßnahmen besteht also das Risiko, dass Minderjährige zu Erwachsenen erklärt werden. Dies würde die Zukunft der Flüchtlinge auf ausschlaggebende Art und Weise beeinflussen, denn der Umgang mit den Erwachsenen Flüchtlingen und deren Lebensbedingungen unterscheiden sich gravierend von denen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. In diesem Fall würden ihnen nicht die Rechte auf speziellen Schutz für unbegleitete Minderjährige zustehen. Dies bedeutet im Bereich der Bildung sowie sozial- und asylverfahrensrechtlich eine deutliche Schlechterstellung.
Doch nicht nur die als volljährig geschätzten jungen Flüchtlinge, sondern auch Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren erleben oft dieselbe Schlechterstellung, und das, obwohl sie minderjährig sind. Je nach Alter ist zu unterscheiden, was die Flüchtlinge nach der Ankunft in Deutschland erwartet.

Tabea Doll

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1  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: „Asyl„; Zugriff am 20.10.2010.

2 UNHCR: „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951„; Zugriff am 20.10.2010.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge BAMF

4 Gesetzlich geregelt in § 49 Abs. 6 AufenthG.

5 Siehe hierzu die Übersicht zur Praxis bezüglich der Altersfeststellung in den Bundesländern, zusammengestellt aus der Antwort der Bundesregierung zur Aufnahme unbegleitet einreisender Minderjähriger, einzusehen beim Bundesfachverband UMF: http://www.b-umf.de/images/stories/dokumente/altersfestsetzung-groe-anfrage-2009.pdf; Zugriff am 19.10.2010.

6 Laier, Tanja (1995): Aus der Hand gelesen – Die Zulässigkeit von Röntgenaufnahmen der Hand zum Zweck der Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Gutachten im Auftrag des Fördervereins PRO ASYL e. V. und des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte: http://www.proasyl.info/texte/1995/roentgen.htm; Zugriff am 19.10.2010.

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