Schleppersysteme

Schlepper/Schleuser spielen oftmals eine wichtige Rolle im Verlauf einer Flucht. Vor allem die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen an den Grenzen haben bewirkt, dass eine Flucht in Eigenregie kaum noch möglich ist. Gerade Flüchtlinge aus Afrika und Asien sind auf die Erfahrung und das Wissen von Schleppern, im internationalen Kontext bekannt als „Trafficker“, angewiesen.

Menschenschmuggel bezeichnet den Vorgang, bei dem ein Migrant einen Schlepper bezahlt und dieser ihn im Austausch unbemerkt über die Grenze eines Landes bringt. „Smuggling of migrants shall mean the procurement, in order to obtain, directly or indirectly, a financial or other material benefit, of the illegal entry of a person into a State Party of which the person is not a national or permanent resident1. Die zwischen den beiden Parteien bestehende Verbindung ist üblicherweise beim Erreichen des vereinbarten Zieles hinfällig.

Abzugrenzen vom Menschenschmuggel ist der Menschenhandel. Beim Handel mit Menschen werden vor allem auch Kinder und Frauen durch Versprechungen angelockt oder mittels Gewalt gefügig gemacht, um sie strategisch auszubeuten. Der finanzielle Gewinn hierbei entsteht durch die Ausbeutung der Betroffenen, während dieser beim Schmuggel von Menschen aus dem Transport gezogen wird.

Die Internationale Arbeitsorganisation spricht von 2,45 Millionen Menschen, die in derartiger Weise ausgenützt werden2. Grauzonen gibt es allerdings auch zwischen diesen beiden Bezeichnungen. In besonderen Fällen, bei denen der Schlepper auf Unvorhergesehenes reagieren muss, wie beispielsweise die Änderung der Route aufgrund von Krisen, entstehen Mehrkosten. Können die Flüchtlinge nicht dafür aufkommen, sind sie gezwungen, die Schulden nach der Ankunft bei ihrem Schlepper abzuarbeiten.

Das „Business“ Schleppen wird nicht allein im großen Stil auf kommerzieller Ebene ausgeführt. Es gibt beispielsweise Einzelpersonen, die in der Nähe einer Grenze wohnen und sporadisch gegen Bezahlung den Übertritt ins andere Land durchführen. Schlepper können für die gesamte Flucht oder nur für bestimmte Etappen „angeheuert“ werden.

Bei der Durchführung wird auf unterschiedlichste Verkehrsmittel zurückgegriffen. Zum Einsatz kommen beispielsweise Busse, Lastkraftwägen, Boote oder auch Kühlwägen. Generell ist es die Intention mit einem minimalen Aufwand den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass der Transport sehr unsicher ist, die Bedingungen unzumutbar sind und die Reise vielerlei Gefahren für die körperliche und seelische Unversehrtheit der Migranten birgt. Psychische Probleme ergeben sich allein aus der Tatsache sich gezwungen zu sehen, die Familie, Freunde und das eigene Land hinter sich zurückzulassen und sich gänzlich oder für bestimmte Etappen in die Hände eines völlig Fremden zu begeben.
Die körperliche Gesundheit ist oftmals bereits vor dem Aufbruch beeinträchtigt, beispielsweise durch die im Land herrschende Armut oder den Auswirkungen von Konflikten. Flüchtlinge, die zusammengepfercht in Containern oder in kleinen Booten versuchen, das Meer zu überqueren, leiden häufig unter Dehydrierung, Unterkühlung und Unterernährung. Schlechte hygienische Bedingungen bilden den Nährboden für Bakterien, Keime und Erreger. Parasitäre Erkrankungen oder Infektionskrankheiten wie Malaria, Hepatitis und Tuberkulose sind keine Seltenheit. Nicht alle überleben die Strapazen der langen Reise, andere haben ein Leben Lang mit den Folgen zu kämpfen.

Laut Chabaké ist der Aufbau eines im großen Rahmen angelegten Schleppersystems äußerst vielschichtig. Die Aufgaben jedes Mitgliedes sind exakt festgelegt und die ausführenden „Mitarbeiter“ haben meistens nur Kenntnisse über ihren eigenen Arbeitsbereich, um das System bei einer möglichen Festnahme nicht zu gefährden.
Aufgabenbereiche sind beispielsweise das Auskundschaften von Routineabläufen an den Grenzen, um mögliche Schwachstellen herauszufinden oder die Beschaffung gefälschter Papiere.
Schlepper benötigen fundiertes Wissen über die zu durchquerenden Gebiete. Die einzuschlagende Route und gelegentlich auch die Wahl des Ziellandes liegen in ihrer Hand.Während der „Reise“ benutzte Dokumente gehen in den meisten Fällen an die Schlepper zurück, die sie weiterverwenden können.

Daniela Uhlemayr

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1 United Nations: Protocol against the smuggling of migrants by land, sea and air, supplementing the United Nations Convention against transnational organized crime, Article 3.

2  EUROPA Press Releases: „EU-Kommission verstärkt Kampf gegen Menschenhandel„, Zugriff am 18.10.2010.

3 Vergleiche Tarek Armando Abou Chabaké: „Irreguläre Migration und Schleusertum: Im Wechselspiel von Legalität und Illegalität„, Zugriff am 13.10.2010.

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