Wirtschaft

Wirtschaftsflüchtlinge sind Menschen, die aus ökonomischen Gründen ihre Heimat verlassen, in der Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Lebensbedingungen. In allen Medien wird zurzeit die Zwischenbilanz der UN-Millenniumsziele diskutiert. Die OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) versuchen 0,7%1 ihres Bruttoinlandproduktes für die Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen. Doch ob dieses Ziel wirklich erreicht werden kann ist fraglich. Die Entwicklungsausgaben des deutschen Bruttosozialproduktes liegen bei etwa 0,4%, obwohl für das Jahr 2010 Ausgaben von 0,51% vorgesehen waren.2

Doch nicht nur Hilfen durch Spenden für Entwicklungsländer sind nötig. So schwächt beispielsweise die von den Industrienationen exzessive betriebene Rohstoffausbeutung die afrikanischen Länder enorm. Die Industrieländer müssen auch wirtschaftlich umdenken und die Ausbeutung armer Länder beenden. Im Folgenden wird anhand einiger Beispiele aufgezeigt, welche negativen Einflüsse die europäische und globale Wirtschaftspolitik auf die Menschen und die Wirtschaft Afrikas hat.
Agrarsubventionen, Europa
Die EU fördert durch Subventionen3 auch die europäische Agrarwirtschaft. Für viele kleine Betriebe sind die finanziellen Zuwendungen sehr wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch große landwirtschaftliche Betriebe können durch die Subventionen einen Überschuss an Lebensmitteln erzeugen, der ihnen vom Staat abgenommen wird.
Der übermäßige Bestand wird exportiert, auch an einige Staaten Afrikas.4 Da aber die afrikanischen Bauern kaum staatlich gefördert werden, können sie preislich mit den subventionierten Bauern aus der EU nicht mithalten. Dies hat zur Folge, dass das europäische Gemüse in Afrika billiger ist als das dort produzierte. „(…) auf den Märkten Westafrikas ist Gemüse, das in Europa gezogen wurde, um durchschnittlich ein Drittel billiger als Produkte aus heimischem Anbau.“5

Wie sollen afrikanische Bauern unter solchen Umständen Gewinne erzielen und ihre Familien ernähren?

Fischerei –Subventionen
Ebenso sind die Schäden der Subventionen am Fischfang deutlich zu erkennen. Die EU finanziert an den Küsten Westafrikas riesige Schiffe für den Fischfang.6 Dagegen haben die Einheimische mit ihren kleinen Booten und Netzen keine Chance. Die Folge: „Die heimischen Märkte brechen zusammen. Mit dem Fehlen von Erwerbsarbeit breitet sich Armut aus.“7 Noch bis Ende der 90er Jahre ernährten viele Küstenbewohner Westafrikas ihre Familien vom Erlös des Fischfangs. Heutzutage ist das nur noch selten möglich.

Durch den subventionierten Fischfang der EU gehen die Fischbestände immer stärker zurück, kleine Fischereien finden nicht mehr genügend Fisch, um ihre Existenz sichern zu können. Die Überfischung hat nicht nur für die kleinen Dörfer entlang der Küsten negative Folgen, auch die Umwelt ist davon betroffen:

„Ein solcher Trawler fischt und verarbeitet pro Tag ca. 10 t Fisch. Allerdings wird etwa ein Drittel des Fangs als Fischkadaver wieder über Bord geworfen, weil er in Größe, Art oder Geschmack den cuisinen Moden europäischer Tafeln nicht entspricht. Millionen Fische sterben so, bevor sie laichfähig sind. Das führt dazu, dass die Bestände noch mehr als allein durch die Industriefischerei schrumpfen.“8

Agrarsubvention, Baumwolle, USA
Obwohl die Baumwollproduktion für die USA genauso viel kostet wie für Afrika, konnten die USA ihren Anteil auf dem Weltmarkt verdoppeln und Afrika ins Abseits drängen. Der Grund dafür sind die milliardenschweren Subventionen, mit denen die USA ihre Baumwollproduzenten fördern.
„In den vergangenen drei Jahren überstiegen diese Beihilfen bei weitem den gesamten Wert der exportierten Baumwolle.“9 Durch die Zuschüsse müssen die amerikanischen Bauern für ihre Produktionskosten nicht selbst aufkommen und können somit ihre Ware sehr preisgünstig auf den Markt bringen.
Die afrikanischen Bauern hingegen müssen mit dem Erlös der verkauften Baumwolle auch ihre Produktionskosten decken und können deshalb mit den Dumpingpreisen der USA nicht mithalten. Zwar ist die Qualität afrikanischer Baumwolle hochwertiger, da diese durch Hand gepflückt wird, doch entscheiden sich die meisten Konsumenten für die billigere Variante. Da allein in Westafrika 10 Millionen Menschen vom Baumwollanbau leben, wird für die afrikanischen Bauern eine wichtige Einkommensquelle zu Nichte gemacht.10

Die Industrieländer sind sich bewusst, welche negativen Folgen die Subventionen mit sich tragen. Es scheint aber so, als ob die Wirtschaftsmächte nicht auf den Profit verzichten wollen, den sie durch die Entwicklungsländer erzielen. Menschen sehen in einer solch prekären wirtschaftlichen Lage kaum eine andere Möglichkeit als zu fliehen, um andernorts bessere Lebensbedingungen zu finden. Nur durch einen Wandel in der Wirtschafts- und Subventionspolitik kann es den Entwicklungsländern gelingen, sich von den Hilfen der reicheren Länder abzunabeln, um in Zukunft auch auf eigenen Beinen stehen zu können.

Marianne Klotz

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2 Vergleiche heute.de: „Kampf gegen Armut: Was aus den Milleniumszielen geworden ist„; Zugriff am 18.10.2010.

3 Subventionen sind finanzielle Unterstützungsleistungen durch den Staat oder beispielsweise die EU, die Unternehmen und bestimmte Wirtschaftssektoren begünstigen. Es wird keine unmittelbare Gegenleistung für erhaltene Subventionen verlangt, vielmehr ist das Ziel solcher Subventionen – beispielsweise durch Steuerermäßigungen – die Wettbewerbsfähigkeit der Subventionsempfänger gegenüber ausländischen Konkurrenzunternehmen zu stärken und so zum Erhalt und dem Ausbau der eigenen Wirtschaftskraft beizutragen. Gleichwohl sind mit der Gewährung von Subventionen stets politische oder wirtschaftliche Interessen verbunden.

4 Foodwatch: „EU subventioniert Welthunger„, Zugriff am 31.10.2010.

5 Andrea Dallek: „Globalisierung als Fluchtursache“; Zugriff am 19.10.2010.

6 Vergleiche ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Welthungerhilfe: „Kleine Produzenten werden in den Ruin getrieben“; Zugriff am 19.10.2010.

10 Vergleiche ebd.

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