Ein menschlicher Tsunami rollt auf Lampedusa zu!

Wenn Italiens Staatsoberhaupt Silvio Berlusconi im April 2011 von einem „menschlichen Tsunami“ spricht und dabei Menschen meint, die vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihren Heimatländern geflohen sind und ihr Leben riskierten, um Schutz auf der Mittelmeerinsel Lampedusa zu suchen, was bleibt dann noch von der humanitären Idee einer globalen Solidarität mit den an Leib, Leben und Freiheit Bedrohten?

Andererseits: das von Berlusconi verwendete Bild einer bedrohlichen Naturkatastrophe, die auf die europäischen Küsten zurollt und diese zu verwüsten droht, ist angesichts der ergriffenen Sicherungsmaßnahmen an den europäischen Außengrenzen keine unpassende Analogie. So steht die metaphorische Drohkulisse Berlusconis stellvertretend für eine europapolitische Grundhaltung Schutz- und Asylsuchenden gegenüber, die einseitig auf die reaktive Abwehr eines vermeintlichen Gefahrenszenarios fokussiert und dabei bereit ist, die Grundmauern der potentiell bedrohten Wertegemeinschaft zugunsten der Installation effektiver Abwehrmaßnahmen zu opfern.

Benjamin Deinert

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